Sunday 25. August 2019
Predigten

Fronleichnam anders

(aus der Predigt von Abt Clemens am 7. Juni 2007)

Ein besonderer Hinweis auf das Mysterium, das wir an Fronleichnam feiern, findet sich in den Memoiren des 1975 verstorbenen Primas von Ungarn, Kardinal József Mindszenty. Manche, besonders in der älteren Generation, werden sich noch an seinen Namen erinnern, besonders an sein Schicksal und sein Märtyrerzeugnis. Kurz nach der kommunistischen Machtergreifung wurde er als Erzbischof von Esztergom verhaftet und in einem abscheulichen Schauprozess 1949 zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Im Zug des ungarischen Freiheitskampfes und der Revolution gegen den kommunistischen Terror wurde Mindszenty 1956 unter dem Jubel der Bevölkerung aus dem Gefängnis befreit, musste aber nach der Niederschlagung der Revolution durch die rote Armee in die amerikanische Botschaft flüchten. Fünfzehn Jahre später, nachdem die Päpste Johannes XXIII. und Paul VI. mit ihm über den Wiener Kardinal König Kontakt aufgenommen hatten, kam es zu seiner Ausreise in das Exil nach Wien, um das Verhältnis der verfolgten Kirche Ungarns mit dem kommunistischen Staat zu erleichtern.

 

In seinen Memoiren beschreibt er die Sehnsucht nach dem Fronleichnam, dem Sakrament des Leibes und Blutes Christi:

"Am Herz-Jesu-Fest 1950 habe ich nach neun Monaten Zuchthaus das erste Mal zelebrieren dürfen. Als Altartisch erhielt ich das kleinste aller Telefontischchen. Mein Altarbild war ein winziges Heiligenbildchen, mein Kelchdeckel ein kommunistisches Buch. Rechts und links an der Wand waren Bilder wie im heidnischen Pompeji. Während ich zelebrierte, hingen die Wärter am Spähloch der Türe, unterhielten sich (laut) und machten ihre Bemerkungen (über mich und über mein Tun). Dann wurde mir das Frühstück gebracht. Man wollte mich jetzt zwischen der Wandlung von Brot und Wein und wieder zwischen Wandlung und Kommunion zum Bad rufen. Ich habe mich aber nicht um diese Aufforderung geschert." Es ist der ganz gleiche Inhalt dessen, was wir heute an Fronleichnam feiern, aber in einem völlig anderen Rahmen: Eucharistiefeier im Gefängnis.

 

Angesichts dieser Schilderung stellt sich die Frage: Was bedeutet für mich das Sakrament des Leibes und Blutes Christi? Wie viel Zeit dafür einzusetzen bin ich bereit? Was geht mir ab, wenn es mir fehlt? Sind nicht viele - wahrscheinlich in Folge des Wohlstands - gegenüber der Hl. Messe gleichgültig geworden?

 

Es ist nicht Machtausübung, wenn die Kirche uns sagt, dass zum Sonntag die Eucharistiefeier gehört. Seit der Auferstehung Christi wussten seine Jünger, dass nun der erste Wochentag, der Sonntag, sein Tag ist. Der siebente Tag der Schöpfung wird zum Tag der Erneuerung der Schöpfung. Schöpfung und Erlösung gehören zusammen. Deswegen ist der Sonntag so wichtig. Es ist schön, dass in vielen Kulturen heute der Sonntag ein freier Tag ist oder gar mit dem Samstag ein freies Wochenende bildet, oder wie in diesen Tagen ein so genanntes "langes Wochenende". Aber diese freie Zeit bleibt leer, wenn Gott nicht darin vorkommt.

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