Sunday 25. August 2019
Predigten

Die Zukunft der Kirche wird von den Heiligen neu geprägt werden!

(aus der Predigt von Abt Clemens zum Altmanni-Sonntag am 5. August 2007)

Es gibt Bücher, die einen nicht nur packen und positiv beeinflussen, sondern sogar prägen. Ein Buch, das mich in meiner Glaubensgeschichte und Glaubensentwicklung stark geprägt hat, stammt aus der Feder des damaligen Theologieprofessors Joseph Ratzinger. Ich meine nicht den in diesem Jahr von Papst Benedikt XVI. verfassten Bestseller "Jesus von Nazareth", sondern ein um 1970 erschienenes Buch mit gesammelten Ansprachen und Aufsätzen von ihm unter dem Titel "Glaube und Zukunft".

Ich gehe in meiner Predigt nicht darauf ein, was mich in diesem Buch persönlich beeindruckt und geprägt hat, sondern wende mich einer Aussage zu, die er im Zusammenhang mit der Frage der Zukunft der Kirche stellt, nämlich: Wie wird die Kirche im Jahr 2000 aussehen? Inzwischen sind über 35 Jahre vergangen und wir können aus näherer Perspektive seine Prognose überprüfen.

Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass die Zukunft der Kirche auch heute nicht von denen kommen wird, die nur Rezepte für andere machen. Sie wird nicht von denen kommen, die sich ohne Grundsätze nur dem jeweiligen Augenblick anpassen. Die Zukunft der Kirche wird auch nicht von denen kommen, die nur kritisieren, aber sich selbst als unfehlbaren Maßstab nehmen. Sie wird auch nicht von denen kommen, die nur den bequemeren Weg wählen.

Die Zukunft der Kirche – so lautet seine Aussage wörtlich – kann und wird auch heute nur von denen kommen, die tiefe Wurzeln haben, die aus dem Glauben leben, - aus dem Glauben: der persönlichen Bindung an das unsichtbare Du Gottes, aus dem Wagnis sich mit Gott einzulassen und sich auf ihn zu verlassen. Die Zukunft der Kirche wird dieses Mal, wie immer in der Kirchengeschichte, von den Heiligen neu geprägt werden.

Die Antwort enttäuscht jeden, der sich nicht vorstellen kann, dass technischer und ökonomischer Fortschritt nicht allein das Gesetz der Zukunft sein soll. Es gab und gibt auch einen Glauben an den Fortschritt. Durch Jahrzehnte glaubten viele, dass der Fortschritt immer so weitergehen werde, bis es in den letzten 15 Jahren da und dort im Gebälk zu knistern begann. Fortschritt ist wünschenswert, aber aller Fortschritt hat dem Menschen zu dienen. Deshalb wird es einen wirklichen Fortschritt zu einer besseren Welt in Zukunft so viel geben, als es den menschlicheren Menschen gibt, dem nicht Macht oder der Mammon das Gesetz des Handelns vorschreiben, also ein Fortschritt, der nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ in die Tiefe wächst. Damit meine ich die Kraft, die aus der Wurzel kommt. Wir brauchen Menschen, die tiefe Wurzeln haben.Die Zukunft der Kirche wird von den Heiligen neu geprägt werden. In diesem Sinn feiert das Stift Göttweig heute das Fest seines Gründers, des hl. Bischofs Altmann. Er ist am 8. August 1091 (vor 916 Jahren) gestorben, nach einem Leben, das viele Erfolge aufweist, aber auch in manchen Wegstrecken eher einem Kreuzweg gleicht. Er wurde wegen seiner unerschrockenen kirchlichen Gesinnung aus seiner Bischofstadt Passau verbannt und hat hier – im Osten seiner Diözese – sein Werk der Erneuerung fortgeführt. In Göttweig, seiner Lieblingsgründung, ist er auch begraben.

 

"Hoch begabt, ausgestattet mit den höchsten Bildungswerten seiner Zeit, unternehmungsfroh und gewandt, durchdrungen von echtem Glauben und tiefer Religiosität, voll ungeteilter Hingabe an die Ideale der kirchlichen Reform und an das Papsttum, ohne Schwanken in seiner Überzeugung und Haltung, feststehend in den Zwischenfällen und Gefahren seiner Zeit – das ist Bischof Altmann gewesen." (Josef Oswald) Das Stift Göttweig, von ihm gegründet und gleichzeitig seine Grablege, fühlt sich auch heute verpflichtet, die Ideale des hl. Altmann – freilich unter geänderten Lebensbedingungen und Voraussetzungen – zu verwirklichen.

Um Feste der Heiligen zu feiern genügt nicht ein Blick in die Vergangenheit, sondern solche Vorbilder sollen Hilfe und Ansporn sein, heute als Mensch und Christ zu leben.

Wie hieß es in dem von mir zitierten Buch? "Menschen, die tiefe Wurzeln haben", d.h. die in die Tiefe gewachsen sind und weiter wachsen, so dass sie die Quellen des Lebens berühren und aus ihnen das Wasser des Lebens schöpfen und die fähig werden, dieses Quellwasser weiterzugeben. Aus diesen Quellen wächst die Kraft des Glaubens, ein Glaube, der persönliches Vertrauen bedeutet und fähig ist, ein Wagnis einzugehen auf das Wort, auf das Du des unsichtbaren Gottes. "Tiefe Wurzeln": aus der Forstwirtschaft könnte man den Vergleich heranziehen, die bei Bäumen Tief- und Flachwurzler unterscheidet. Flachwurzler sind bei Gefahren, z.B. bei Sturm, mehr gefährdet als Tiefwurzler. Ich rede hier aber nicht bloß von Bäumen.

"Die Zukunft der Kirche wird dieses Mal, wie immer in der Kirchengeschichte, von den Heiligen neu geprägt werden."
Ein besonderer Akzent des vergangenen Pontifikats war der ständige Hinweis des Papstes auf Heilige der Vergangenheit, aber auch auf Heilige der Gegenwart. Johannes Paul II. hat mehr als andere Päpste vor ihm Menschen heiliggesprochen, zur Ehre der Altäre erhoben. Unter ihnen befinden sich Zeitgenossen aus dem 20. Jahrhundert: Mutter Teresa, P. Pio, ... oder die österreichischen Heiligen und Seligen Jakob Gapp, Jakob Kern, Sr. Restituta Kafka, Anton M. Schwartz. Im Herbst wird der Oberösterreicher Franz Jägerstätter durch die Seligsprechung dieser Liste angefügt.

Heilige sind aber nicht nur die von der Kirche kanonisierten. Diese sind sicher der kleinere Teil unter den Heiligen. Es gibt die vielen, die in Stille unbemerkt treu ihren Dienst tun, die dort, wo sie leben, versuchen den Willen Gottes zu erfüllen. Ich glaube auch, dass die vor einigen Wochen im Irak gekreuzigten Christen nicht der großen Schar der Märtyrer nachstehen. Wie es die Vision des Johannes in der Geheimen Offenbarung ausspricht: "Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen." (Offb 7,9)

An dieser Stelle ist daran zu erinnern, dass das II. Vatikanische Konzil ganz deutlich an die allgemeine Berufung zur Heiligkeit erinnert hat. Die Berufung aller zur Heiligkeit!
Ich – ein Heiliger? So wird jeder achselzuckend abwehren. Menschen, die wissen, dass sie heilig sind, sind es sicher nicht. Menschen, die wissen, dass sie nicht heilig sind, sind es schon eher.
Ich erinnere daran, dass der hl. Paulus die meisten seiner Briefe mit der Adresse „an die Heiligen“ in Rom, in Korinth, in Ephesus, in Kolossä und in Philippi beginnt. Man braucht dann nur in den Briefen weiter lesen, z.B. im 1. Korintherbrief, an die Christen in einer schillernden Hafenstadt und Völkermetropole, und man wird merken, dass dort viele, die von Paulus als Heilige angesprochen werden, so ganz und gar nicht in unser Heiligenbild passen. Das ist trostvoll und versetzt uns auf den Boden der Wirklichkeit.

Intention des hl. Altmann war, in Göttweig ein religiöses Zentrum zu gründen und überall "das geistliche Leben zu erneuern" (Tagesgebet). Bitten wir besonders heute an seinem Festtag den hl. Altmann, dass uns dies hier und in unserer Heimat und darüber hinaus gelingen möge und dass die Kirche in unserem Land Zukunftschancen hat.

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