Wednesday 19. February 2020
Predigten

Gedanken zum Paulusjahr

(aus der Sonntagspredigt von Subprior P. Franz am 3. August 2008)

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Vor gut einem Monat, am Hochfest Peter und Paul, hat das Paulusjahr offiziell begonnen es dauert genau vom 28. Juni 2008 bis zum 29. Juni 2009: Papst Benedikt hat am 28. Juni in der Basilika St. Paul vor den Mauern in Rom die Vesper - das Abendgebet der Kirche - gefeiert und dabei das außerordentliche Jubiläumsjahr anlässlich des 2000. Jahrestages der Geburt des heiligen Apostels Paulus eröffnet - so lautet der etwas sperrige offizielle Titel. Man muss dazu sagen, dass wir das genaue Jahr für die Geburt des Paulus nicht kennen; Geschichtswissenschaftler und kirchliche Tradition sind sich aber ziemlich einig, dass sie zwischen 7 und 10 nach Christus angesetzt werden muss.
Dieses Paulusjahr ist, denke ich, Grund genug, dass wir uns Paulus genauer anschauen. Wir hören ja fast jeden zweiten, dritten Sonntag "Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die..."


Paulus trägt ursprünglich den Namens Saulus (den Namen kennen wir auch vom König Saul, Vorgänger von König David). Dieser Saulus stammt aus Tarsus in der damaligen römischen Provinz Kilikien / Zilizien (heute liegt das in der östlichen Türkei); Tarsus war damals eine Hafenstadt und ein Handelszentrum mit einer größeren jüdischen Diaspora-Gemeinde, und Paulus wächst tief verwurzelt im Judentum auf. Noch eine Besonderheit: er besitzt das römische Bürgerrecht - von Geburt an, also ererbt; eine Rechtsstellung, die im römischen Reich nur eine Minderheit hatte, und wir hören in der Apostelgeschichte, dass ihm das einige Male geholfen hat. Er wird als Schriftgelehrter ausgebildet - in Jerusalem; er sagt selbst "zu Füßen Gamaliels" (Apg 22,3), ein berühmter Lehrer in Jerusalem; unter den Schriftgelehrten gibt es (wie überhaupt unter den Juden damals) verschiedene Richtungen: Pharisäer, Sadduzäer, Essener, Zeloten ...; Saulus gehört zur pharisäischen Richtung (Vgl. Apg 23,6). Und er erlernt, wie es sich damals für einen Schriftgelehrten gehört hat, auch einen Beruf: Zeltmacher. (Das alles erfahren wir nach und nach, wenn Paulus in der Apostel­geschichte oder in seinen Briefen auf seine Vergangenheit Bezug nimmt).

 

Das erste Mal, dass sein Namen in der hl. Schrift genannt wird, ist in der Apostelgeschichte, als er bei der Steinigung des Stephanus mitwirkt ("die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß" (Apg 7,58), steht da wörtlich). Saulus betrachtet sich selbst als "Eiferer für das Gesetz" - gemeint ist damit der unverfälschte jüdische Glaube, der baut ja auf "Gesetz und Propheten" auf. Die neue Richtung im Judentum, die von Jesus ausgegangen ist, diese neue Richtung sieht er als Verfälschung des wahren Glaubens, als eine Verfälschung der "Überlieferung der Väter" (vgl. Gal 1,14), an und er bekämpft und verfolgt diese neue Richtung.


Gleich dreimal in der Apostelgeschichte wird dann seine Bekehrung ge­schildert (einmal wird sie nacherzählt und zweimal erzählt Paulus darüber); was genau in diesem Saulus vorgegangen ist, wissen wir nicht. Der äußere Ablauf ist einfacher: Auf dem Weg nach Damaskus - auch dort will er gegen diese neue Bewegung der Christen vorgehen - auf dem Weg nach Damaskus umstrahlt ihn ein Licht, er stürzt zu Boden und hört die Stimme "Saul, Saul, warum verfolgst du mich?". Er fragt "Wer bist du Herr?" Und erhält die Antwort: "Ich bin Jesus, den du verfolgst." (vgl. Apg 9, auch 22 und 26). Wie gesagt, was da in ihm genau vorgegangen ist, das wissen wir nicht. Fest steht: Von da an sieht er in Christus den Messias - keine Verfälschung des wahren Glaubens, sondern die Erfüllung. Er hat den Auferstandenen gesehen - so sagt er selbst. Und diese Botschaft will er weitergeben. Zuerst in Antiochia (ein Stückerl südlich von Tarsus, heute auch in der Türkei, früher war das Syrien). Dann geht es in mehreren Reisen nach Kleinasien (heutige Türkei), nach Griechenland - einiges Stationen sind uns ja recht geläufig durch die Briefe: Philippi, Thessalonich (Saloniki), Korinth, aber auch Athen, auch Zypern ist dabei. Und er geht dabei sowohl zu den Juden als auch - noch viel mehr - zu den Heiden. Das ist wirklich die große Öffnung, für die er sich einsetzt; die Botschaft von Christus steht nicht nur für die Juden offen, sondern auch für die Heiden - und damit auch für uns: Erst durch diese Öffnung ist in der Folge dann das Evangelium bis zu uns gekommen.

 

Eine praktische Frage die dann auftaucht wird beim so genannten Apostel­konzil geklärt. Müssen diese Heiden zuerst zu Juden werden (mit der Befolgung aller jüdischen Gebote und Vorschriften), und können sie erst dann Christen werden, oder geht es direkt (ohne die Befolgung aller jüdischen Vorschriften). Es wird ent­schieden, dass es einfach geht (nur mit ein paar kleineren Auflagen. Ein großer Durchbruch.
Für Paulus geht die Reisetätigkeit weiter, mit so manchen Widrigkeiten (Inhaftierung in Philippi (vgl. Apg 16; 1 Thess 2), Flucht aus Thessalonich, (vgl. Apg 17) Aufruhr der Silberschmiede in Ephesus (vgl. Apg 19), und zwischendurch schreibt der an die Gemeinden, an die Christen­gemeinden, die er gegründet hat; er ermutigt sie, ermahnt sie, erinnert sie, er bittet sie füreinander da zu sein (auch materiell, durch Spenden).

 

Bei einem Besuch in Jerusalem wird er schließlich im Tempel festgenommen (wegen der Gefahr eines Aufruhrs), kommt von dort dann nach Cäsarea Maritima (heute in Nordisrael), zum Amtssitz des Statthalters (zuerst Felix, dann Festus), und wird nach seiner Appellation an den Kaiser nach Rom geschickt, wo er nach einer mühsamen Reise (mit Schiffbruch vor Malta) ankommt. Wie das Verfahren in Rom gegen ihn gelaufen ist, das erzählt die Apostelgeschichte nicht; überliefert ist, dass er in Rom mit dem Schwert hingerichtet wurde, in den Jahren 65 / 67. Als Hin­richtungsort ist das heutige Tre fontane im Süden der Stadt Rom überliefert. Dort im Süden (bzw. Südwesten) wurde er auch bestattet.

Kaiser Konstantin hat in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts über seinem Grab eine Kirche, die erste Basilika errichten lassen. Ob man sicher sein kann, dass die an der richtigen Stelle steht? Archäologisch sehr sicher; außerdem war es damals ein schwieriges Unterfangen auf einem Friedhof - über andere Gräber - zu bauen. (Paulus ist ja auf einem Friedhof bestattet worden - wenn man in der Nähe von St. Paul Ausgrabungen macht, stößt man ständig auf antike Gräber.) Friedhöfe haben als unantastbar gegolten, die Totenruhe durfte man nicht stören - und das hat auch für einen Kaiser gegolten. Konstantin hätte sich nicht die Mühe angetan die Basilika zu errichten, wenn er nicht sicher gewesen wäre. Über die Kirche will ich sonst nicht mehr viel sagen, als dass bei den letzten Ausgrabungen eine Seitenfront des Paulus-Sarko­phags so freigelegt worden, ist, dass man sie von der so genannten Confessio aus (vor dem Hauptaltar) sehen kann. Und eines noch: Benediktiner wirken seit Jahr­hunderten in St. Paul vor den Mauern, derzeit eine internationale Gemeinschaft mit Mitbrüdern die zum Teil ausgeborgt sind; von Göttweig ist P. Johannes Paul dorthin "verborgt" (unter Anführungs­zeichen) als Prior.

 

Ich denke, das Paulusjahr lädt uns ein, dass wir uns mit diesem Paulus be­sonders beschäftigen, wie er geglaubt und gedacht hat, wie er auf Gott vertraut hat, wie er die frohe Botschaft weiterträgt.
Dabei ist nicht alles leicht zu verstehen, das hören wir schon im zweiten Petrusbrief: "In ihnen ist manches schwer zu verstehen." (2 Petr 3,16) Und heute ist das manch­mal auch nicht anders. Das hängt sicher damit zusammen, dass Paulus ein Schrift­gelehrter war und sich manchmal in der entsprechenden Sprache der Schriftgelehr­ten ausgedrückt hat - für damals klar, für heute schwierig. Das hat aber auch damit zu tun, dass er für bestimmte Gemeinden schreibt, mit ihren bestimmten Anliegen, mit ihren bestimmten Problemen, mit ihren bestimmten Voraussetzungen, die wir heute nicht so genau kennen.

 

Wenn es zum Beispiel in Korinth das Problem mit Spaltungen, mit Parteiun­gen gegeben hat, dann hat Paulus natürlich die Einheit besonders betont. Und da schreibt er zum Beispiel so wunderschöne Texte wir das Hohelied der Liebe (nicht das, das wir aus dem Alten Testament kennen, sondern dasjenige, das in Trauungs­gottesdiensten verwendet wird, das auch so genannt wird; vgl. 1 Kor 13): "Wenn ich das und das machte, hätte aber die Liebe nicht ...". Paulus will damit betonen, dass es verschiedenste Gnadengaben gibt, aber die sollen nicht Grund für eine Spaltung sein, sondern die Liebe soll alles zusam­menhalten.


Er hat noch viele schöne, tiefgehende Gedanken. Wenn er z. B. betont: dass man sich die Gnade nicht erwerben kann (wenn ich alle Gesetz einhalte, dann be­komme ich die Gnade, Gnade bedeutet die Zuwendung durch Gott), sondern dass die Gnade, die Zuwendung von Gott, schon da ist, und nicht mühsam erst verdient werden muss. Dann: dass in Christus ein erlösender Gott offenbar wird, nicht einer, der uns in der Sünde lässt und alles und jedes ewig nachträgt. Ganz im Gegenteil: Die Liebe Christi zu uns ist sogar so stark, dass sie alle möglichen Hindernisse überwindet; das haben wir aus der zweiten Lesung herausspüren können: "Was kann uns trennen von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?". Durch Paulus erfahren wir, wie das Leben der ersten christlichen Gemeinden ausgesehen hat - zum Teil mit denselben Problemen und denselben Freuden wie heute. Wir finden bei ihm Texte, die seinen tiefern Glauben an die Auferstehung ausdrücken. Es gibt sicher noch viel mehr Gedanken, die man vertiefen könnte. Das Paulusjahr ist da - in den nächsten ja noch elf Monaten -, glaube ich ein guter Anlass, dass wir Christus durch die Augen dieses großen Apostels näher anschauen. Amen.



1. Lesung: Jes 55,1-3 - 2. Lesung: Röm 8,35.37-39 - Evangelium: Mt 14,13-21

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