Wednesday 19. February 2020
Predigten

Von Risiko und Vertrauen

(aus der Predigt von Abt Clemens zum Altmanni-Sonntag am 10. August 2008)

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Ich habe zum Stichwort "Risiko" zwei Lexika konsultiert. Das "Lexikon für Theologie und Kirche" informiert, dass unter dem Begriff "Risiko" in der Regel ein Sachverhalt verstanden wird, in dem ein Schadenseintritt zwar möglich, aber weder wahrscheinlich ist noch praktisch ausgeschlossen werden kann. Das allgemeine Lexikon "Brockhaus" setzt das Risiko mit Wagnis, mit Gefahr gleich und verweist vor allem auf die wirtschaftlichen Faktoren. Es werden verschiedene Begriffe angereiht wie Risikopolitik, Risikomanagement, Risikofaktor, Risikogesellschaft u. a.

 

Das Evangelium des heutigen Sonntags spricht davon, dass der Glaube, die Christus-Beziehung, ein Risiko, ein Wagnis darstellt und versetzt uns zur Illustration in die Situation des Seesturms bei der Überfahrt der Apostel über den See Genesareth. Das Boot wird hin- und her geworfen, "denn sie hatten Gegenwind." In dieser Gefahr kommt ihnen Jesus entgegen; "Er ging auf dem See." Vor Angst schreien sie auf und die Angst löst sich erst als der Herr zu ihnen sagt: "Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!" Petrus, immer zu spontanen Handlungen bereit: "Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme." "Komm", ruft ihm Jesus zu. Das Risiko, das Petrus eingeht, wie sein Herr auf dem Wasser gehen zu können, endet mit dem Fiasko, dass er beinahe untergeht, sobald er nicht mehr auf Jesus schaut, sondern auf Wind und Wellen.

 

Dass mit diesem Wagnis der Glaube gemeint ist, hat mir vor vielen Jahren ein mit mir befreundeter evangelischer Pfarrer, der oft bei uns im Stift zu Gast war, anschaulich vorgeführt. Er stellte seine zwei Kinder, die damals fünfjährige Tabea und den eineinhalb Jahre alten Markus auf einen großen Kleiderschrank, ein mächtiges Möbelstück, das in einen normalen Haushalt gar nicht passen würde. Er sagte zur Fünfjährigen: Tabea, spring herunter, da ist der Papa. Aber Tabea getraute sich nicht zu springen, das Risiko war ihr zu groß, und wahr­scheinlich spielte auch Angst eine Rolle. Dann sagte er zu dem Eineinhalbjährigen: Markus, spring herunter, da ist der Papa. Und Markus sprang mitten in die offenen Arme des Vaters.

 

Christlicher Glaube ist in erster Linie nicht eine Summe von Lehrsätzen, nicht primär eine Anzahl von Dogmen - so wichtig sie sind. Christlicher Glaube ist ein Wagnis, das Leben auf einen Unsichtbaren zu bauen. Christlicher Glaube bedeutet Vertrauen ohne Garantiezusage. Das Bekenntnis "Ich glaube" heißt deshalb in erster Linie nicht: Ich glaube etwas, sondern: Ich glaube dir, ich ver­traue dir, auf dich baue ich mein Leben.

 

Die Heiligen, die uns während des Jahres begegnen, die in unseren Kalendern stehen, sind dafür lebendiges Exempel für diesen persönlichen Glauben, solche, die wir kennen, aber auch die vielen, die uns nicht bekannt sind. Heute feiern wir den Gründer unseres Klosters, den hl. Bischof Altmann, der am 8. August 1091 gestorben ist, und am 9. September 1083 - vor 925 Jahren - mit der Weihe der Klosterkirche das Stift begründet hat. Ein Risiko, ein Akt des Glaubens und des Vertrauens war, dass er nach dem Zeugnis seiner Lebensbeschreibung, der Vita Altmanni, die einige Jahrzehnte nach seinem Tod in unserem Kloster geschrieben wurde, dass er die Klostergründung nicht mit einem Bittgebet (dass alles gut geht), sondern mit dem Lobpreis des Te Deum - Großer Gott, wir loben dich - begonnen hat.

Das Te Deum, dieser Hymnus des Lobpreises und des Dankes an den dreifaltigen Gott gipfelt und endet mit dem Ausdruck des Vertrauens: "In te, Domine, speravi, non confundar in aeternum" (Auf dich, o Herr, vertraue ich, auf dich habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden). In unüberbietbarer Weise hat dies Anton Bruckner in seinem Te Deum vertont, bei dem die Schlussfuge des "In te, Domine, speravi" Ausdruck tiefen Glaubens und großen Gottvertrauens darstellt.

 

Versetzen wir uns in die Rolle des Petrus, der Angst bekommt und fürch­tet unterzugehen. Die einzig richtige Reaktion des Apostels ist der Schrei: "Herr, rette mich!" Jesus streckt nicht nur dem Petrus die Hand entgegen, er sagt nicht nur zu seinem Apostel: "Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?"

Ich wünsche uns allen, jeder und jedem Einzelnen, dass uns bei allem Auf und Ab des Lebens, dieses Vertrauen, diese Hoffnung, dieser Glaube geschenkt wird. Amen.

 


1. Lesung: 1 Kön 19,9a.11-13a - 2. Lesung: Röm 9,1-5 - Evangelium: Mt 14,22-33

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