Wednesday 19. February 2020
Predigten

Das Zeichen Gottes sehen, das Hoffnung und Trost gibt!

(aus der Predigt von Abt Clemens zu Mariä Himmelfahrt am 15. August 2008)

Liebe Brüder und Schwestern!

 

Die katholische Kirche begeht 2008 das Paulusjahr, 2000 Jahre nach der Geburt des Apostels Paulus in Tarsus. Wir haben schon mehrmals darauf hin­gewiesen. Paulus, der Völkerapostel genannt, ist der fruchtbarste neutestament­liche Autor. Zum "Corpus Paulinum" gehören 14 Briefe, auch wenn wir wissen, dass nicht alle direkt aus seiner Hand stammen. Wenn wir heute an einem hohen Marienfeiertag die Paulusbriefe nach der Gottesmutter Maria befragen, werden wir erstaunt sein, dass er in keinem seiner Briefe den Namen Maria erwähnt. Also, hält der Völkerapostel Maria nicht so wichtig für unseren Glauben? Ist ihre Hervorhebung vielleicht erst eine Frucht der kirchlichen Entwicklung? Dass dem nicht so ist, sollten wir uns an diesem "Großen Frauentag" im Paulusjahr vergewissern.

 

Den wohl schwierigsten von Paulus gegründeten Gemeinden schreibt er den Brief an die Galater. Das waren Christengemeinden im Inneren Kleinasiens, wohin Paulus auf seinen Missionsreisen zweimal gekommen ist, das erste Mal um das Jahr 50. "Schwierig" deshalb, weil die galatischen Gemeinden nach dem Weggang des Apostels von Irrlehrern aufgesucht und beeinflusst worden sind, die von ihnen verlangten sich beschneiden zu lassen bevor sie Christen werden, also zuerst Heiden, dann Juden und dann erst Christen. Weil Paulus darin eine Verfälschung des Evangeliums, das er verkündet hat, sieht, schont er die Galater auch nicht mit harten Worten: "Ihr unvernünftigen Galater, wer hat euch ver­blendet? Ist euch Jesus Christus nicht deutlich als der Gekreuzigte vor Augen gestellt worden?" (Gal 3,1) Deshalb versucht er ihnen schriftlich nochmals die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens vorzustellen. Eine der wichtigsten Sätze steht in Gal 4,4: "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen."

 

Paulus spricht von der "Frau", die den Sohn Gottes zur Welt gebracht hat. Der Ausdruck "Frau" in der Heiligen Schrift ist nicht bloß in dem Sinn der allen Frauen gebührenden Ehre zu verstehen, sondern ist an den wichtigsten Stellen der Bibel als Prototyp gemeint. Ich weise auf Anfang und Ende der biblischen Botschaft hin.

 

"Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse" (Gen 3,15).

"Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt" (Offb 12,1; 1.Lesung). Dazu zu zählen ist das Wort, das der Gekreuzigte vor seinem Tod zu Maria unter dem Kreuz sagt: "Frau, siehe, dein Sohn!" (Joh 19,26) und zu dem Jünger - also zu uns - "Siehe, deine Mutter!"

 

Aber, wenn dem schon so ist, wo ist dann im Corpus Paulinum der Platz frei für die "Aufnahme Mariens in den Himmel"? Im 15. Kapitel des 1. Korin­therbriefes (2. Lesung), in dem Paulus nicht nur von der Auferstehung Christi spricht, sondern auch von der Auferstehung der Christen, heißt es: "Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen" (15,20). Christus ist der erste der Entschlafenen. Wo es einen ersten gibt, muss es auch einen zweiten, einen 10., 1000. und aber tausendsten geben. Noch deutlicher fährt Paulus fort: "Erster ist Christus; dann folgen ... alle, die zu ihm gehören" (15,23). Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass die Mutter zu ihm gehört.

 

Aber, so frage ich weiter: Was hat das mit uns zu tun? In der Liturgie des heutigen Festtags haben wir im Tagesgebet gesprochen: "Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit."

Dazu ist das heutige Fest da, dass es aus all den Schwierigkeiten des Lebens, aus all den Verwicklungen des Alltags, seinen Sorgen, Lasten und Ängsten unseren Blick aufreißt und aufhellt, damit wir das Zeichen Gottes sehen, das Hoffnung und Trost gibt und uns auf den Weg bringt, der zum Ziel führt. Und ans Ziel gelangen wollen wir alle. Amen

 

 

1. Lesung: Offb 11,19a; 12,1-6a.10ab - 2. Lesung: 1 Kor 15,20-27a - Evangelium: Lk 1,39-56
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