Wednesday 28. October 2020
Predigten

"Als acht Tage vorüber waren ... gab man ihm den Namen Jesus"

(aus der Predigt von Subprior P. Franz am Neujahrstag, 1. Jänner 2009)

Liebe Schwestern und Brüder!
Wir stehen heute am achten Tag nach Weihnachten, der Geburt Jesu, und ich möchte Ihre Gedanken auf etwas lenken, von dem es heißt, dass es am achten Tag nach der Geburt geschehen ist. Wir haben es als Schlusssatz im Tagesevangelium geh: "Als acht Tage vorüber waren ... gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde." (Lk 2,21) Ich möcht Sie jetzt einladen, dass wir auf diesen Namen, den Namen Jesus, genauer hinschauen.

 

Es ist ja interessant: Bei beiden Evangelisten, die von der Geburt und der Kindheit Jesu berichten, also bei Evangelisten Matthäus und Lukas, bei beiden wird dieses Detail besonders betont: Den Namen für das Kind haben nicht die Eltern oder Verwandten ausgesucht; sondern diesen Namen hat ein Bote Gottes, ein Engel den Eltern mitgeteilt. Im Lukasevangelium ist es der Engel Gabriel: Er gibt Maria bei der Verkündigung auch auf, wie sie das Kind nennen soll: "Dem sollst du den Namen Jesus geben." (Lk 1,31) Und im Matthäusevangelium ist es ein Engel, der im Traum dem Josef erscheint: "Josef Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen: denn das Kind, das sie erwartet ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären. Ihm sollst du den Namen Jesus geben." (Mt 1,20 f.)
Schon allein daran sieht man: Es geht nicht irgendeinen Name, sondern dieser Name hat eine besondere Bedeutung. Etwas pathetisch könnte man sagen: dieser Name, der Name Jesus ist Programm – Programm deswegen, weil er eine Bedeutung hat: Jesus, das hebräische Wort jeschua heißt übersetzt: Jahwe ist Retter bzw. Jahwe ist Erlöser, Jahwe ist Heiland. Dazu gibt es ein paar Namensvariationen: Jehoschua, Jeschua, Josua – den kennen wir auch aus dem Buch Josua, aus dem Alten Testament – oder auch abgekürzt (amerikanisch) Josh; alle diese Namen bedeuten alle dasselbe: Jahwe ist Retter, Erlöser, Heiland.

Im Matthäusevangelium wird das auch noch ausdrücklich so gesagt: Als Josef nämlich die Botschaft hört: "Ihm sollst du den Namen Jesus geben.", da wird ihm, Josef, auch eine Erklärung dazu gegeben, "denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen." (Mt 1,21) Und fast genau so deutlich, kommt das auch im Weihnachts­evangelium heraus: Die Hirten hören die Botschaft: "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren" (Lk 2,11), Retter, griechisch soter, ist die Übersetzung für den hebräischen Namen Jesu.

Und retten, erlösen, das sieht Jesus als seine Aufgabe an – also sein Name ist Programm; "retten, erlösen" das kündigt er in seiner ersten Predigt an. Das erste öffentliche Auftreten Jesu in Nazaret: Es soll in der Synagoge die Schrift vorlesen und auslegen: und es ist eine Jesaja-Stelle: "Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setzt und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." Und von diesem Schriftwort sagt Jesus dann: "Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt." (Lk 4,18-21)


Retter, Erlöser, Heiland will Jesus sein. Die Wunder die er tut, die weisen darauf hin, besonders deutlich wird das bei den zahlreichen Krankenheilungen. Und immer wieder schwingt der Aspekt dabei mit, dass er den ganzen Menschen heilen will, nicht nur eine äußerliche Krankheit, äußeres Leid, sondern auch das innere Krankheit, inneres Leid Innere, also "Krankheit und Leid der Seele" wenn man so sagen will; ein anderes Wort dafür ist „Sünde“, genauer gesagt, ein Aspekt davon ist "Sünde": Von der will er uns befreien, also von Trennung von Gott will er uns befreien: oder positiv formuliert, er will unsere Verbindung zu Gott wiederherstellen und erhalten.


Und Jesus möchte seinen Namen "Retter, Erlöser, Heiland" gerecht werden bis zum äußersten, bis zum Tod. Wir spüren das heute noch in jeder Heiligen Messe aus den Wandlungsworten heraus: "Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden." (vgl. Mt 26,28) Jesus will Erlöser sein, bis zum letzten Atemzug.


Und die ersten Christen haben ihn sicher so empfunden, als Erlöser. Das drückt sich gerade im Fisch-Symbol aus. Die ersten Christen haben den Fisch als ihr Symbol verwendet, weil es einerseits unverfänglich war (in Verfolgungszeiten), andererseits aber eine klare Bedeutung ausdrückt hat. Fisch heißt auf Griechisch, als in der damaligen Umgangssprache ichthys – mit den fünf griechischen Buchstaben i-ch-th-y-s – und diese fünf Buchstaben können auch als die Anfangsbuchstaben gelesen werden von "Iesus christos, theu yios, soter" Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser. Da haben wir wieder das Wort Erlöser (oder Retter). Die ersten Christen haben Jesus gesehen als den Christus, also als den Messias, sie haben ihn gesehen als Sohn Gottes, und sie haben ihn gesehen als ihren Erlöser.
Jesus will auch uns erlösen, frei machen, loslösen, von allem was uns bindet. Stellen wir auch diese neue Jahr unter diese Hoffnung. Wir sind mit Jesus unterwegs auf einem Weg, der uns frei macht, frei macht für Gott, löst von Krankheit und Leid, von allem was uns bedrückt, löst von der Sünde, hinführt zu Gott, das Trennende überwindet. Das klingt vielleicht ein bisschen naiv; aber diese Hoffnung haben wir als Christen. Wir brauchen nicht blind zu sein für das Leid das uns umgibt, wir brauchen es nicht zu verdrängen; aber genauso wenig brauchen wir blind zu sein dafür, wie viel an Rettung, an Erlösung, an Heil uns umgibt, schon jetzt umgibt. Wir haben die Hoffnung, die Zuversicht, dass der Retter da ist und dass er uns Schritt für Schritt – und es sind nicht nur kleine Schritte – dass er uns Schritt für Schritt zur Erlösung führt.


Der Name Jesus ist Programm: Gott heilt, Gott rettet, Gott erlöst.

Amen.

 

1. Lesung: Num 6,22-27 - 2. Lesung: Gal 4,4-7 - Evangelium: Lk 2,16-21

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