Wednesday 19. February 2020
Predigten

"Sie gingen in das Haus und sahen das Kind..."

(aus der Predigt von Abt Clemens zu Erscheinung des Herrn, 6. Jänner 2009)

Liebe Schwestern und Brüder!
Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2009 zum "Internationalen Jahr der Astronomie" erklärt. Damit soll an den italienischen Mathematiker, Physiker und Philosophen Galileo Galilei erinnert werden, der 1609 – vor 400 Jahren – erstmals ein Fernrohr für seine astronomischen Studien verwendete und damit die Phasen des Planeten Venus, die Mondgebirge, die vier größten Jupitermonde, den Ring des Saturn und die Zusammensetzung der Milchstraße beobachtete. Bekannter als seine Entdeckungen ist allerdings der Konflikt, den er mit dem kirchlichen Lehramt auszutragen hatte, der zur Verurteilung seiner Lehre führte, von der er erst 1992 von Papst Johannes Paul II. rehabilitiert wurde.
 
Das "Jahr der Astronomie" lenkt den Blick auf den Stern, der uns in der Kindheitsgeschichte Jesu im Bericht von den Weisen aus dem Morgenland begegnet, die ein Stern nach Bethlehem zum neugeborenen König der Juden führte. Schon immer erweckte der Stern von Bethlehem das Interesse der Menschen. Ganz gleich, ob damit ein Komet, ein explodierender Stern, eine Supernova oder eine Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternzeichen der Fische gemeint ist. Die letztere Annahme leuchtet ein, denn Jupiter ist in der Antike der höchste Gott, Saturn bedeutet König (ein neuer König ist geboren) und Fische sind das Sternzeichen Israels. Die Sterndeuter im heutigen Evangelium, wahrscheinlich weise Astronomen aus dem Zweistromland, Assyrer oder Babylonier, konnten den Stern so deuten, dass der höchste Gott als König im Land der Juden geboren wurde. Grund genug, um eine weite Reise mit ihren Strapazen auf sich zu nehmen. Sinngemäß stellen sie dem König Herodes in Jerusalem die Frage: "Wo ist der neugeborene König der Juden?" (Mt 2,2).


Die Wissenschaft sagt aus, dass sich im Jahr 7 vor Christus, dem wahrscheinlichen Datum der Geburt Christi, eine dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternzeichen der Fische ereignete, ein Ereignis, das nur alle 820 Jahre vorkommt. Andere Berechnungen gibt es von dem griechischen Astronomen Ptolemäus im 2. Jahrhundert und weitere Forschungen folgten. Eine der neuesten Untersuchungen stammt von Univ. Prof. Konradin Ferrari d’ Occhieppo, der seine Ergebnisse 1994 in dem Buch "Der Stern von Bethlehem – aus der Sicht der Astronomie beschrieben und erklärt".Frage: Ist mit diesen oder anderen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Beweisen unser Glaube "gerettet"? Wird dadurch, dass wir mehr und mehr handfeste Beweise erhalten, das Glauben leichter? Natürlich dürfen wir uns freuen, wenn wissenschaftliche Untersuchungen die Aussagen der Evangelien von ihrer Warte her untermauern, stützen oder beweisen. Wir können uns damit der Argumentation des Apostels Petrus anschließen: "Wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe" (2 Petr 1,16). Aber Beweise und Glauben, wissenschaftliche Forschungen und daraus gefolgerte Erkenntnisse und Leben aus dem Glauben, sind doch zwei ganz verschiedene Welten, "zwei Paar Schuhe".
 
Wichtiger ist die Frage: Wie reagiere ich auf die Botschaft vom 6. Jänner? Was bedeutet das für mein Leben? Was hat dieses Weihnachten Bleibendes bei mir bewirkt? Was hat sich geändert, was hat sich im Glauben an Gott und in meinem christlichen Leben verbessert? Nach den Feiertagen werden die Christbäume entsorgt, der Weihnachtsschmuck und die Krippen wieder verpackt. Das ist es also wieder gewesen? Ist das auch das Schicksal der weihnachtlichen Botschaft: "Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!" (Joh 1,14)?
 
"Der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war" (Mt 2,9). Es war ein guter Stern, der Sie, Schwestern und Brüder im Glauben, geführt hat, ein Stern, der uns ans Ziel führen will. Am Jahresanfang erinnert Sie das Fest der Erscheinung des Herrn daran, dass ein guter Stern über Ihrem Leben steht. Nicht im Sinn der Astrologie. Dazu ist das Leben zu ernst um sich mit Spielereien abzugeben. Der gute Stern ist Gottes Schutz und Segen, der Gutes austeilt.
Der Stern von Bethlehem soll uns auch ermutigen für andere ein guter Stern zu werden, ein guter Stern, der uns davor bewahrt, einem Schwindler unser "Geld" anzuvertrauen. Die Sternsingeraktion, zu der uns bei diesem Gottesdienst die Mitwirkung der Sternsinger der Pfarre einlädt, regt an für andere ein "guter Stern" zu werden.
 
"Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter" (Mt 2,11). Das heißi: Willst Du, dass ein guter Stern über Deinem Leben steht, dann suche Christus und orientiere Dich an ihm. Wie? Für alles, für jede Situation und jede Lebenslage steht ein Rat im Evangelium und wird eine Hilfe angeboten. Maria, die jetzt nur das kleine Kind den weisen Sterndeutern zeigt, gibt später bei der Hochzeit in Kana den entscheidenden Rat, die wirksame Hilfe: "Was er euch sagt, das tut!" (Joh 2,5).
 
In diesem Sinn könnte das Jahr 2009 ein "Jahr der Astronomie" für unseren Glauben werden.

Amen.

 

1. Lesung: Jes 60,1-6 - 2. Lesung: Eph 3,2-3a.5-6 - Evangelium: Mt 2,1-12

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