Saturday 30. May 2020
Predigten

"Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden."

(aus der Predigt von Abt Clemens am Ostersonntag, 12. April 2009)

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Von Klaus Weyers habe ich einen Bericht über das Begräbnis seines Vaters gelesen:

"Als wir einen Tag nach der Beerdigung meines Vaters zum Friedhof gingen, sagte meine vierjährige Tochter Peggy zu uns: 'Den kriegt ihr doch da nicht wieder raus!' Sie hatte recht. Wir kriegen da keinen mehr heraus." Hier sind wir bei Tod und Grab an der Stelle, wo unser Intellekt versagt und unseren Glaubenseinsatz fordert. Vor der Tatsache des Sterben-Müssens und Tot-Seins gibt es keine Gedankenspielereien und keine Diskussionsplattform. Um den Tod herum hilft kein Wortgeschwader. Die Liturgie des Osterfestes versucht darum gar nicht, Erklärungen abzugeben und über das Geschehen der Auferstehung Theorien aufzustellen. Der Eröffnungsvers der Ostermesse beginnt mit der fast nüchternen Feststellung: "Ich bin auferstanden und bin immer bei dir". Die Evangelien sagen kurz und bündig: "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden."

 

An Ostern geht es um ein Grab, um das Grab Jesu, um das leere Grab beim Felsen Golgota, es geht aber auch um unser Grab, um mein Grab. Viele wissen um ihr eigenes Grab, wo es sein wird, niemand weiß, wann es sein wird. Wie das Haus, die Schule und der Arbeitsplatz gehört auch der Friedhof zu den festen Bestandteilen der menschlichen Gesellschaft. Er ist mit vielen Bedeutungen und Gefühlen verbunden. Auf dem Friedhof gedenken wir unserer Toten, besuchen ihre Gräber, sprechen mit ihnen, denken auch über unsere eigene Sterblichkeit nach.

 

Das Grab ist aber nicht nur ein Ort der Pietät und ein Ort der Erinnerung. Der Friedhof zeigt noch ein anderes Gesicht. Er wird zum sprechenden Zeichen der vergeblichen Mühe sich auf Erden einzurichten. Wie stabil und gut ausgeführt die Häuser, Villen und Paläste unserer Vorfahren auch waren, sie konnten nicht verhindern, dass ihr Lebenshaus ein zeitliches blieb. Es ist ganz natürlich, wenn wir an einem Grab zu Tränen gerührt sind und Schmerz empfinden. Aber gelingt es uns, auf einem Friedhof auch unserem christlichen Glauben zum Durchbruch zu verhelfen? Dieser lautet: Christus ist auferstanden am dritten Tag. Und: Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

 

Es stellt sich die menschlichste aller Fragen: Die Frage auf Leben und Tod. Die Frage nach dem, was bleibt, wenn "alles vorbei ist". Ob mit dem Tod "alles aus ist". Der christliche Glaube baut auf dem Grundereignis seiner Geschichte auf: der Auferweckung Jesu von den Toten. An diesem Punkt setzt es an, jede Zeile des Neuen Testaments ist davon erfüllt. Von hier, vom leeren Grab bei Golgota, geht es seinen Weg durch die Geschichte. Am Grab Jesu heißt es bereits: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?" Und Paulus kann so knapp wie unmissverständlich formulieren: "Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos." Die Auferstehung Christi und die Auferstehung der Christen als Leitmotiv des christlichen Glaubens kann also nicht deutlicher sein. Aber dringt es noch durch?

 

Wie viele Gräber sind zu allen Zeiten immer wieder ausgehoben und zugeschüttet worden. Und wie viele Opfer, Mühen, Wünsche, wie viel guter Wille sind im Lauf der Geschichte mitbegraben worden. Im Credo bekennen wir von Christus: "Gekreuzigt, gestorben und begraben." Wir drücken damit aus: Das war sein Ende! Wir drücken damit aus, wie die Menschen um Jesus das damals erlebten: die Frauen, die unter seinem Kreuz standen und die am Morgen des ersten Tages der Woche seinen Leichnam salben wollten, die verschüchterten Apostel, die entmutigten Emmausjünger, die Hohenpriester, Ältesten und Schriftgelehrten, die Soldaten, Pontius Pilatus und schließlich der Stein, der vor das Grab gewälzt wurde und so Tod und Ende dieses Menschen unwiderruflich zu machen schien. "Gekreuzigt, gestorben und begraben."

 

Und dennoch wagen Christen seit fast 2000 Jahren vor aller Welt zu verkünden: Dieses Grab Jesu ist eine Antwort auf unsere Fragen und eine Lösung. Dieses Grab war ein besonderes Grab. Dass dieses Grab eine besondere Bedeutung hat, ist schon daran zu erkennen, dass in der kurzen Stelle des Osterevangeliums (Joh 20,1-9) das Wort "Grab" siebenmal vorkommt. Ein Zufall? Nein, eine Antwort! Das Grab von Golgota enthält die Antwort auf unser Grab. Noch deutlicher sprechen die Sätze, die bei Johannes unmittelbar vorher vom Begräbnis Jesu berichten. Im Johannes-Evangelium hat ja jedes Wort ein besonderes Gewicht. "Wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein n e u e s Grab." Ein n e u e s Grab also, weil es ein solches Grab noch nie gegeben hat. Denn kurz darauf erfahren die Frauen, die zum Grab gekommen waren: "Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte." Seitdem ist es nicht mehr still geworden um dieses "neue" Grab und die Botschaft von diesem Toten, der lebt, ist nie mehr verstummt.

 

Aber: Wir können hier nicht Ostern feiern ohne an die furchtbare Erdbeben-Katastrophe in Italien zu denken. Gestern habe ich einen Brief per E-Mail erhalten:

"Hier ist man allerseits total wegen des Erdbebens geschockt, einfach furchtbar, vor allem, wenn man von Einzelschicksalen hoert: Obdachlose, die in 20 Sekunden alles auf einmal verloren haben: beide Kinder, den Ehegatten, die eigenen Eltern, und andere Verwandte...einfach unvorstellbar, die eigenen Sorgen nehmen im Vergleich dazu ganz andere Dimensionen an. Man verliert immer viel zu viel Zeit und Energie, sich ueber das zu beklagen, was man nicht hat, als das zu schaetzen, was man eigentlich hat. Und leider sind es immer wieder Katastrophen und schreckliche Ereignisse, die uns einige Zeit lang an die wahren Werte erinnern, bis der Alltag wieder ueberhand nimmt. - Aber ich denke, auch fuer die Ueberlebenden hat das Osterfest heuer eine grosse Bedeutung: Hoffnung und Neubeginn, moege ihnen die Kraft dazu von Oben geschenkt werden, das sind meine Gebete und Gedanken in diesen Tagen."

 

Für uns heißt es weiter: Ostern ist nicht nur eine Frage nach dem Leben nach dem Tod. Der österliche Mensch sollte auch hier und jetzt aus dem Hamsterrad der Gleichgültigkeit ausbrechen, sich der unausweichlich scheinenden Routine verweigern, gleichsam aus seiner Todesstarre auftauen.

Der berühmte Kirchenlehrer Kirchenlehrer Johannes Chrysostomus, um 400 Patriarch von Konstantinopel, formulierte so: "Dein Herr hat sich kreuzigen lassen, und du suchst die Ruhe? Der Herr wurde ans Kreuz genagelt, und du führst ein Leben in Üppigkeit?" (Homilie zum Philipperbrief).

Der Herr ist aus dem Grab erstanden, und du bleibst in deinem Grab?

 

"Den kriegt ihr doch da nicht wieder heraus", hat das Kind gesagt. Ja, wir kriegen ihn nicht heraus, aber ER ruft uns heraus.

Frohe und gesegnete Ostern! Amen, Halleluja.

 

 

 1. Lesung: Apg 10,34a.37-43 - 2. Lesung: 1 Kor 5,6b-8 - Evangelium: Joh 20,1-18

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