Sunday 31. May 2020
Predigten

"Die Sache Jesu braucht Begeisterte"

(aus der Predigt von Abt Clemens am Pfingstsonntag, 31. Mai 2009)

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

 

Die Zeit um Pfingsten ist die Zeit der Firmspendungen. Bei den Firmgottesdiensten wird vorzüglich eine jugendgemäße Gestaltung mit entsprechenden Liedern gewählt. Eines der häufigsten Lieder dabei ist: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte". Damit sollen die Firmkandidaten angesprochen werden, aber ich versuche dabei jedes Mal auch die Erwachsenen, in diesem Fall die Eltern und Firmpaten, anzusprechen: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte. Sein Geist sucht sie auch unter uns."

 

Ich möchte heute die Frage stellen: Ist auch Jesus ein Begeisterter, besonders wenn er an uns denkt, wenn er uns sieht und erlebt? Ich möchte schlicht und einfach die Antwort geben: Ja, er ist ein Begeisterter, ein vom Geist erfüllter Mensch.

 

Aus den vielen Stellen des Neuen Testaments weise ich auf den Dank Jesu an den Vater hin (Lk 10,21): "In jener Stunde rief Jesus, vom Heiligen Geist erfüllt, voll Freude aus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast." Ich füge dieser Aussage des Herrn die Frage an: Was hast du uns offenbart, Herr Jesus, dass du so voll Freude und Jubel bist? Das ist wohl die Frage nach dem Wesen unseres Glaubens, seinem innersten Kern, nach dem entscheidenden Hauptinhalt des Christseins. Was ist dabei das Wichtigste und das Entscheidende, das zu seiner Freude, zum Jubel Anlass gibt?

Ich versuche es, um zu einer Antwort zu kommen, mit einer kleinen wohl bekannten Geschichte aus dem 1. Jahrhundert: Rabbi Schammai - Rabbi Hillel. "Kannst du mir in der Zeit, in der ich auf einem Bein stehen kann, das Wesentliche des Judentums erklären?" Für uns heißt die Frage: Das Wesentliche des Christentums erklären. Ich möchte einige Antworten geben, aber noch mehr: Ich möchte sie einladen selbst darüber nachzudenken und eine Antwort zu formulieren.

 

Der Kalendertag ist morgen der 1. Juni: Justin der Märtyrer (+165), Philosophie-Professor. Sein Verhör vor dem römischen Präfekten Rustikus ist in den Märtyrerakten überliefert. "Welche Lehre vertrittst du?" "Ich vertrete die Lehre der Christen, auch wenn sie dir, erlauchter Präfekt, und allen, die im Irrtum gefangen sind, nicht gefällt." "Diese Lehren gefallen dir, du miserabler Kerl?" "Ja, ich folge diesen Lehren. Das ist der rechte Glaube." "Welcher Glaube ist das?" "Wir verehren den Gott der Christen. Wir glauben, dass der eine Gott die Welt erschaffen hat ... Wir verehren Jesus Christus, den Sohn Gottes ..." "Du bleibst also dabei ein Christ zu sein?" "Ja, ich bin ein Christ" und ich bleibe dabei, ein Christ zu sein! – Das ist eine Antwort, die man ausspricht, solange man auf einem Bein stehen kann!

 

Zwei ergänzende Fragen zum Bekenntnis: Ja, ich bin ein Christ. Was ist ein Christ? Der Name kommt von Christus (Gesalbter, Messias, Erlöser der Welt): Wir gehören zu ihm, wir sind persönlich mit ihm verbunden (vgl. Familienname). Für diese lebendige Verbindung Christus – Christ stehen mehrere Erklärungen in der Heiligen Schrift – meist in Bildern oder in Gleichnissen, z.B. Weinstock und Reben, Hirt und Herde, Haupt und Glieder, "Ich nenne euch meine Freunde". Eine Freundschaft, die enge Verbindung, muss man pflegen: Nähe suchen, bei ihm bleiben, sprechen, Hilfe suchen, Rat holen, danken, seine Gegenwart feiern, christlich leben (Gebote Gottes, Hauptgebot der Liebe). "Ja, ich bin ein Christ " und ich bleibe dabei, ein Christ zu sein! Zweite Frage: Wie wird man Christ? Voraussetzung ist der Glaube: "Wenn du mit deinem Mund bekennst: 'Jesus ist der Herr' und wenn du mit deinem Herzen glaubst: 'Gott hat ihn von den Toten auferweckt', dann wirst du gerettet" (vgl. Röm 10,9). Mit diesem Glaubensbekenntnis wird bei der Taufe die Annahme durch Gott und die Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden, in die Gemeinschaft der Kirche, gefeiert. Daraus kann man eine kurze Antwort formulieren, die man in der Zeit, in der man auf einem Bein stehen kann, aussprechen kann.

 

Eine weitere wesentliche Kurzformel des Christseins spricht Jesus in dem Evangelien-Abschnitt, von dem wir ausgegangen sind, viermal aus: Er spricht Gott mit dem Namen "Vater" (abba, lieber Vater, Papa) an. Sein Vater ist unser Vater. Glauben und beten besteht für uns darin, möglichst oft und so kindlich wie nur möglich zu Gott "Vater" zu sagen. Nicht nur in schönen, erfolgreichen Stunden, sondern wie Jesus auch in den schweren, z.B. am Kreuz. Frage: Wie oft haben Sie gestern Gott mit dem Namen "Vater" angeredet?

 

Anlässlich des Pfingstfestes möchte ich auf einige andere Antworten hinweisen, die sich aus dem Wort Gottes des Festtags-Gottesdienstes ergeben: "Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt" (Apg 2,4). Alle: das gilt nicht nur damals. "Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist." Man könnte weitere Kurzantworten hinzufügen, die man aussprechen kann, so lange man auf einem Bein steht, etwa: "Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es" (1 Joh 3,1). "Wir haben an der göttlichen Natur Anteil erhalten“ (vgl. 1 Petr 1,4). „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt in Gott" (1 Joh 4,16). Lebensnahe Antworten, d.h. aus dem Leben gegriffen, geben ferner viele Menschen in unserer näheren oder weiteren Umgebung, tiefgläubige Frauen und Männer, meist solche, die in Verborgenheit ohne auffallen zu wollen echt christlich leben, die zweifellos zu denen gehören, über die sich Jesus so freut (Lk 10,21). Suchen Sie bitte für sich eine solche Kurzformel des Glaubens und wiederholen Sie diese womöglich täglich in Wort und in Tat!

 

Der heutige Pfingstgottesdienst möchte Einladung sein und Impulse geben zu einem neuen Schwung im christlichen Leben. Vor 50 Jahren hat Papst Johannes XXIII. das 2. Vatikanische Konzil angekündigt. Gefragt, was er damit wolle, öffnete er die Fenster um frische Luft hereinzulassen und sagte: "Ein neues Pfingsten". Ein neues Pfingsten muss nicht aus Sturmesbrausen und feurigen Zungen bestehen, sondern aus Menschen, die sich von Christus gesendet wissen, die sich mitverantwortlich einsetzen für das Kommen des Reiches Gottes, die selbstlos das kirchliche Leben aktiv mittragen und mitgestalten, Menschen, die ungeachtet der uns umgebenden gesellschaftlichen und oft auch kirchlichen Schwierigkeiten mit Freude und Engagement darangehen, das eigene Leben und das Leben der Familie, der Pfarre und der Gesellschaft christlich zu gestalten.

 

Dafür erhalten wir an Pfingsten neu die sichere Zusage, dass wir dabei nicht allein gelassen sind oder nur aus eigener Kraft werken müssen, sondern dass Jesus bei uns ist und bleibt "alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20) und dass uns der Heilige Geist, der Beistand, dabei beisteht, dass nicht nur für die Firmlinge der Wunsch ausgesprochen wird: "Die Sache Jesu braucht Begeisterte. Sein Geist sucht sie auch unter uns."

 

 

 1. Lesung: Apg 2,1-11 - 2. Lesung: 1 Kor 12,3b-7.12-13 - Evangelium: Joh 20, 19-23

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