Sunday 31. May 2020
Predigten

Er ist aufgebrochen, um ganz bei Christus zu sein!

(aus der Predigt von Bischof Maximilian Aichern zum Requiem für + Abt Clemens, 21. Juli 2009)

Liebe Brüder im Göttweiger Konvent!
Brüder und Schwestern in christlicher Trauer, aber Hoffnung!

 

Aus dem Philipperbrief des Apostels Paulus haben wir vorhin in der Lesung gehört:

"Christus soll verherrlicht werden, sei es im Leben oder im Tod.

Denn für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn".

Diese Worte fassen das Leben und Wirken von Abt Dr. Clemens Lashofer treffend zusammen. Sie begegnen uns auf seinem Primizbild und auf seiner Todesanzeige. Sein Wahlspruch als Abt lautete: "Obviam Christo Domino", "Christus, dem Herrn, entgegen".

Nun ist er aufgebrochen, um ganz bei Christus zu sein. Noch immer, wo er fern von uns und doch gleichzeitig nahe ist, lädt er uns ein, so wie es auch Paulus tat, in dem einen Geist festzustehen, einmütig für den Glauben an das Evangelium - ich darf ergänzen: und für den Frieden - einzutreten.

 

Begräbnis und Totenliturgie machen - wie es auch der Verstorbene ausdrücklich erbeten hat - österliche Hoffnung spürbar. Wir glauben an das vorhin im Johannesevangelium gehörte Wort Jesu, dass der Herr uns vom Tod auferweckt und ewiges Leben schenkt. Abt Clemens hat vom lebendigen Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, gelebt und es unzähligen Menschen weiter geschenkt für das Leben der Welt.

 

Anton Lashofer wurde am 2. Februar 1941 in der Göttweiger Stiftspfarre St. Veit an der Gölsen geboren und war von Kindheit an mit dem Kloster sehr verbunden. Mit zehn Jahren kam er als Sängerknabe ins Stift und hat von hier aus in Krems Gymnasium und Matura gemacht. Unter Abt Wilhelm Zedinek trat er ins Kloster ein, legte 1963 die feierliche Profeß ab und empfing 1965 durch den damaligen Apostolischen Nuntius in Österreich Dr. Opilio Rossi in der Stiftskirche Lilienfeld die Priesterweihe.

 

Ich habe noch in guter Erinnerung: Als ich nach meiner Priesterweihe und Primiz im Sommer 1959 in Göttweig meine Studienkollegen besuchte, ging ein junger Mitbruder über den Stiftshof und ich fragte meine Kollegen P. Johannes und P. Bruno, wer das sei. Sie sagten: "Das ist unser neuer Novize Frater Clemens." Dies war unsere erste Begegnung und immer wieder gab es solche, etwa im Studienkolleg St. Benedikt in Salzburg, oder auch im Wallfahrtsort Mariazell, wohin er auch schon als Kind von seiner Mutter mitgenommen wurde.

 

In gute Kontakte brachten uns später die Musik - er war ja dann Sängerknabenpräfekt, das Interesse für die Liturgie sowie die Kirchen- und Ordensgeschichte.


Geprägt haben ihn die vielen seelsorglichen Hilfen in den Stiftspfarren und die Gespräche mit Gästen und Hilfesuchenden. Das Charisma der Leitung aus dem Glauben und dem Geist des Hl. Benedikt von P. Clemens haben den Abt veranlasst, ihm das Amt des Novizenmeisters und Klerikermagisters anzuvertrauen.

 

Nach dem Ableben von Abt Wilhelm Zedinek und der kurzen Amtszeit von Abt Benedikt Ramoser hat ihn das Vertrauen der Mitbrüder 1973 in das Abtsamt berufen. Diözesanbischof Franz Žak hat ihm hier in der Stiftskirche die Abtsbenediktion erteilt und wir damaligen Äbte der österreichischen Benediktinerkongregation haben mit viel Freude mitgefeiert.


Er war mit 32 Jahren damals der jüngste Abt in der benediktinischen Weltkonföderation. In den 36 Jahren seiner Amtszeit hat er mit Umsicht und Weitblick Gutes, ja Großes gewirkt: Festigung der klösterlichen Gemeinschaft, die monastische Formung des Konvents, vor allem der vielen Neueintritte, würdige Feier der Liturgie im Sinne des Zweiten Vatikanums, Öffnung des Stiftes als Ort der Begegnung und Renovierungen und Neugestaltungen an der Klosteranlage und an inkorporierten pfarrlichen Gebäuden. In seine Amtszeit fiel das 900-Jahr-Jubiläum des Stiftes 1983, die Errichtung des Exerzitienhauses St. Altmann und die Eröffnung des Jugendhauses, beide stark frequentiert.

 

Clemens war ein edler und aufrichtiger Charakter und bei allen seinen Aufgaben vom Glauben, vom benediktinischen Geist und von gesunder Menschlichkeit getragen. Obwohl er als Historiker vieles Archivarisches aufgearbeitet hat und Mitglied bei der Bayerischen Benediktinerakademie war, galt sein Wirken ganz der Gegenwart und der Zukunft. Ich durfte seine Geradlinigkeit und seinen stets frohen Sinn bei vielen Zusammenkünften und Konferenzen, bei Ferienfahrten und im Kreis von Mitbrüdern und Freunden miterleben und bin ihm dankbar für manche Hinweise und auch manche Unterstützungen in theologischen, seelsorglichen, kirchengeschichtlichen, wirtschaftlichen, bautechnischen und sozialen Bereichen.

Unübersehbar war seine Sorge um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stiftes, seine Gesprächsbereitschaft mit den Verantwortlichen in Bund und Land und anderen wichtigen kirchlichen und weltlichen Institutionen. Sein Wort hatte Gewicht und sein Wirken wurde durch viele kirchliche und weltliche Auszeichnungen anerkannt.
Groß war seine Gastfreundschaft für Kongresse und Besucher aus dem In- und Ausland, vor allem auch in der Ökumene. Mit der Stiftung "Pro Oriente" war er eng verbunden.

 

In meiner Nachfolge, als ich 1981 den Weg nach Linz als Bischof antreten musste, ist er 1982 Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation geworden und hat kraft seiner Persönlichkeit, seiner Spiritualität und seiner gesunden Menschlichkeit ein gewaltiges Pensum geleistet, besonders auch bei der weiteren nachkonziliaren Anpassung der Kongregationsstatuten. Er wurde seither immer wieder in diese Funktion gewählt, hat zahlreiche Abtwahlen in Österreichs Benediktiner-Abteien geleitet, die Visitationen, die Kongregationskonferenzen und die Generalkapitel regelmäßig durchgeführt und immer an den internationalen Präsides-Synoden und den römischen Äbtekongressen der Benediktinerkonföderation mitgewirkt.


Hier wäre noch vieles zu erwähnen, wie etwa der Vorsitz in der Salzburger Äbtekonferenz, das ist die gesamt-deutschprachige benediktinische Äbtekonferenz, oder seine vieljährige Sorge für die benediktinischen Klöster in ehemals kommunistischen Nachbarländern als Delegat des Abtprimas für die Slawische Benediktiner-Kongregation.


Etliche Jahre führte er den Vorsitz in der Superiorenkonferenz der Diözese St. Pölten und hat durch Jahrzehnte in der Österreichischen Superiorenkonferenz mitgewirkt, wo es um die nötigen und gewichtigen Aufgaben und Dienste der Ordensgemeinschaften ging, in Bezug auf den Weg, den das Konzil gewiesen hat und die Zeichen der Zeit, die es immer wieder zu bedenken gab.

 

Sehr am Herzen gelegen waren ihm immer die rund 30 inkorporierten Pfarren des Stiftes in der Erzdiözese Wien und in der Diözese St. Pölten. Die korrekte Zusammenarbeit mit den Bischöfen von Wien und St. Pölten sowie der Österreichischen Bischofskonferenz war ihm immer ein Anliegen. Er war ein gerne erbetener Firmspender und gerne gerufener Zelebrant und Referent bei Festen von Pfarrgemeinden und Institutionen.


Viel Aufmerksamkeit hat er dem von P. Hermann Groer, dem späteren Erzbischof von Wien und Kardinal wiederbelebten, dem Stifte Göttweig inkorporierten Wallfahrtsort Maria Roggendorf geschenkt bis hin zur Errichtung eines eigenen, selbständigen Konvents.

 

Aber es ist auch in seinem Dienst nicht alles glatt gegangen. Eine von ihm selbst gewünschte Apostolische Visitation hat aber sein Handeln in Geradlinigkeit und Barmherzigkeit gut geheißen und das Vertrauen der Mitbrüder bestätigt. Abt Clemens stand ruhig und unbeugsam in den kirchlichen Auseinandersetzungen hinter den Seinen. Er handelte wie der gute Hirte, ausgerichtet auf Wahrheit und Barmherzigkeit. Er war eine lebendige Verkörperung der Richtlinie des hl. Benedikt, der Liebe zu Christus nichts vorzuziehen. Mit bewundernswerter Geduld und ganz starkem Gottvertrauen hat er der Eigenart vieler gedient und ist er - wie sein Wahlspruch ausdrückt - Christus entgegengegangen, auch in Tagen störender Ereignisse und in seiner letzten schweren und bedrängnisreichen Krankheit.

 

Am Pfingstdienstag haben wir unseren Abtpräses noch in unserer Mitte beim Treffen von uns österreichischen Benediktinern und Benediktinerinnen im ehemaligen Stifte Garsten beim Grab des hl. Berthold erlebt, zwar von Krankheit gezeichnet, aber froh mit uns allen verbunden. Und dann am Tag vor Fronleichnam bei der Abtweihe bei den Schotten in Wien, wo er mit sichtlich letzten Kräften in der Liturgie mitgewirkt hat. Dann kamen Tage schweren körperlichen Leidens. Mitbrüder und Ärzte standen ihm in der schweren Bedrängnis bei. Dem Altabt Burkhard von Melk sagte er in diesen Tagen: "Mein ganzes Leben war eine Hingabe an das Kloster und die Mitbrüder, jetzt wird es vollendet".

 

Ich konnte ihn am Tag seines Ablebens noch besuchen und mit ihm beten. Die Mitbrüder berichten, dass seine letzten Worte vor dem Heimgang waren "Es wird alles gut!"

 

Sein geistliches Testament zeigt seinen tiefen Glauben und seine Ausrichtung auf die Gottesmutter Maria, auf St. Benedikt und den hl. Bischof Altmann von Passau, den Gründer von Göttweig, den er sehr verehrte. Abt Clemens war auch eng mit unserer jahrhundertelangen Bischofsstadt Passau verbunden, woran auch die Anwesenheit des Passauer Altbischofs Franz Xaver Eder dankbar erinnert.

 

Schwestern und Brüder!

 

Die große Anteilnahme an der heutigen Auferstehungsliturgie ist auch ein Zeichen, dass von der Saat, die Abt und Abtpräses Clemens gesät hat, viel aufgegangen ist und Frucht getragen hat.

Wir danken ihm für alles, was er für uns getan hat und bitten Gott, er möge das vollenden, was in seinem Leben offen und unvollendet geblieben ist.

Wir danken Gott, dass er Göttweig und uns österreichischen Benediktinern in Abt Clemens einen so sorgenden Bruder und Vater geschenkt hat. Möge uns sein Beispiel anspornen und ermutigen, wie er Christus entgegen zu gehen und unser Leben und Wirken gläubig, menschenfreundlich und weltoffen zu gestalten.

Und lassen wir uns alle, wie Clemens, die Freude am Menschsein und am Christsein nie durch etwas nehmen. Amen.

 

 

 Lesung: Phil 1, 20ad-24.27 - Evangelium: Joh 6, 44-54

 

 

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