Friday 19. April 2019

Mitleid

18.04.2019, 08:06 Uhr
Wir hören in diesen Tagen
zuerst vom qälenden Leid Jesu bis zu seinem Tod,
und dann von seiner glorreichen Auferstehung.

Sollen diese Evangelien zuerst in uns Mitleid erwecken,
und dann Freude?

Ja, wenn man unter „Mitleid“
nicht ein melancholisches Trauergefühl versteht,
sondern ein Mitleben
bis hin zum Mitleiden,

(so ist übrigens auch das göttliche Mitleid mit uns)

und wenn man unter „Freude“
nicht ein Hype-Gefühl versteht,
sondern ein Mitleben
bis hin zum ewigen Leben.

Das heißt: Wenn wir in unserem Leben
und in unseren Leiden (wer hat schon keine?)
MIT IHM dem Vater im Himmel vertrauen,
dann sind wir schon jetzt MIT IHM auferweckt.

Echtes Mitleid ist echtes Mitleben,
und im Fall Jesu ein ewiges Mitleben.

(Gedanken zu den Drei Österlichen Tagen)

Hosanna!

11.04.2019, 08:14 Uhr
Dieser Ruf bedeutet wörtlich: „Hilf doch!“ oder „Rette doch!“

Wie ein König zieht Jesus in die belagerte Hauptstadt ein.
Hosanna! Hilf uns doch vor der Besatzungsmacht!

Die Besatzungsmacht einer ganzen Gesellschaft
kann aber auch das kollektive Besessensein einer Idee sein.

Ich sehe die heutige Idealisierung des Wettbewerbs als eine solche Macht:
Alles soll man tun, um den Anderen auszuschließen.
Wie wenn es im Leben mehr um das Ausschließen des Mitbewerbers ginge,
als um das gemeinsame Leben: Der Wirtschaftskonkurrent soll untergehen!
Sogar beim Spielen geht es mehr um den Gewinner
als um das gemeinsame Spielen.

Mir kommt vor, dass nicht nur einzelne Personen Grenzen im Kopf haben
vor dem, der anders aussieht,
vor dem, der aus einer anderen Kultur kommt,
vor dem, der reicher oder ärmer ist,
sondern, dss solche Grenzen kollektiv gezüchtet werden.

Gehört nicht z.B. Rassismus zur Gattung der Idealisierung des Wettbewerbs?

Hosanna vor den gesellschaftichen Binnengrenzen!
Hosanna vor den Binnengrenzen im Kopf!

(Gedanken zum Palmsonntag)

Vergeben ist wirksamer als Fasten

04.04.2019, 08:16 Uhr
Die bei frischer Tat ertappte Ehebrecherin weiß ganz genau,
dass sie nun zum Tod verurteilt ist.

Die Männer haben das Urteil schon ausgesprochen.
Sie ergötzen sich schon am Gedanken an die baldige Steinigung.
Die Frau weiß das. Sie spürt es. Den Hass. Die Lust. Die Hasslust.

Jesus gibt nicht nur den Männern eine Chance,
ihr Urteil neu zu bedenken.

Er gibt auch der Frau eine Chance,
diesen verurteilenden Männern zu vergeben:

Er fragt sie nicht, „Hat niemand einen Stein auf dich geworfen?“, sondern:
„Hat dich niemand verurteilt?“
Sie erkennt die Chance: „Niemand, Herr“
(obwohl sie es mit Worten sehr wohl getan haben).

Jesus schenkt ihr ein neues Leben:
„Auch ich verurteile dich nicht. Sündige nicht mehr!“

Wenn man denen vergeben kann, die einen veruteilen,
beginnt man selber ein ganz neues Leben.
Vergeben ist eine wirksamere Buße als Fasten.

(Gedanken zum 5. Sonntag in der Fastenzeit C)

Persönliche Gottesbeziehung

28.03.2019, 08:44 Uhr
Jesus spricht sich eindeutig für die Theologie der „Gnade zuerst“ aus,
und zwar als Motivation für die Umkehr.

Paulus betont, dass wir aus Gnade gerettet sind (Eph 2,8),
dass jetzt die Zeit der Gnade ist (2 Kor 6,2),
und dass wir uns deshalb mit Gott versöhnen lassen sollen (2 Kor 5,20).

Selbsternannte ängstliche Glaubenspolizisten befürchten,
dass die Zuerst-Gnade-Theologie
eine oberflächliche Verniedlichung der Gnade Gottes sei.

Nein: Gottes Liebe ist kein Freibrief.
Wer die Liebe Gottes erfahren will, dem bleibt es nicht erspart,
sich ihm persönlich zuzukehren, ihm sein Innerstes hinzuwenden.
Sonst erfährt er sie nicht.

(Gedanken zum 4. Sonntag in der Fastenzeit C)

Die Kirche hat noch eine Chance

21.03.2019, 08:17 Uhr
Das Gleichnis:
Weil ein Feigenbaum in einem Weinberg
schon seit drei Jahren keine Früchte trägt,
will ihn der Besitzer des Weinbergs umhauen lassen.
Aber der Gärtner will ihm noch eine Chance geben.

Ein Detail:
Nur des Feigenbaumes wegen
gehört der ganze besagte Weinberg dem Heiligtum (Dt 22,9).

Ein möglicher Rückschluss:
Wenn Gott, DER Heilige, den Baum umhauen lässt,
wird er dann den ganzen Weinberg (Symbol für das Gottesvolk) los?
Will er das?

Das ist bedenklich – vor allem, weil es laut der Bibel nicht das erste Mal wäre.

(Gedanken zum 3. Sonntag in der Fastenzeit C)

Gott braucht keine Duckmäuser

14.03.2019, 09:03 Uhr
Abram spricht zum Herrn wie zu einem Freund:

Nachdem schon drei Verheißungen Gottes unerfüllt geblieben sind,
sagt er trocken bis sarkastisch „was kannst du mir schon geben“,
„du hast mir keine Nachkommen gegeben“.

Dann heißt es aber – erstmalig und einmalig –, dass er dem Herrn glaubt.

Aber schon im nächsten Vers bittet Abram um einen Beweis.

Außerdem tut er zwar bei allen anderen Gelegenheiten
schweigend alles, wie es der Herr sagt,
aber es wird nirgends geschrieben, warum er es tut.
Von Glaube oder Gehorsam oder Gottvertrauen ist sonst nirgends die Rede.

Der von Paulus genannte Glaube Abrahams (Röm 4,18.22; Hebr 11,8-19)
wird vielleicht zu einseitig interpretiert:
Hat nicht auch Abram/Abraham den Herrn ständig auf Vertrauenswürdigkeit geprüft?
Und ja: Schön langsam hat er ihm immer mehr vertraut.

Verstärkt man echte Freundschaft nicht durch ständig neu geprüftes Vertrauen?

Abraham ist nicht ein Duckmäuser,
sondern ein Freund Gottes.

(Gedanken zum 2. Sonntag in der Fastenzeit C)

Migrationshintergrund

07.03.2019, 09:36 Uhr
Wenn du aus einer Familie mit Migrationshintergrund kommst,
wenn deine Vorfahren an den Herrn geglaubt haben,
und sie – und du – nun eine Heimat gefunden habt,
dann sollst du dem Herrn jährlich zu Erntedank dafür danken.
(Dtn 26,4-10)

Denn das ist wie ein neues Leben,
nämlich für jeden, der den Herrn anruft.
(Röm 10,13)

Denn jeder, der den Herrrn aufrichtig anruft,
der trägt nicht nur den Titel „Kind Gottes“,
sonder der lebt danach
– und überlebt alles.
(Lk 4,4.8.12)

(Gedanken zum 1. Sonntag in der Fastenzeit C)
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