Samstag 22. Juli 2017
Das II. Vatikanum und das Jahr des Glaubens

  

XVI. DIGNITATIS HUMANAE

 

Erklärung über die Religionsfreiheit (7. Dezember 1965).

Der Ausdruck Religionsfreiheit wurde aus dem Blickwinkel betrachtet, dass man im Besitz der Wahrheit sei. Demnach könne man andere Religionen bestenfalls dulden, man sei jedoch verpflichtet, soweit man konnte, jede Propaganda des Irrtums zu unterdrücken. So wurde die Religionsfreiheit in den Ländern vertreten, wo die Katholiken in der Minderheit waren. Wo sie jedoch die Mehrheit bildeten, stellte sich das Problem nicht. Die Erklärung Dignitatis Humanae über die Religionsfreiheit gibt einen neuen Betrachtungspunkt vor: die Würde des Menschen. Jeder Mensch hat das Recht auf freie Religionsausübung, sowohl privat als einzelner als auch öffentlich in der Gemeinschaft. Es ist gegen die menschliche Würde, jemanden mit Gewalt an seiner Religionsausübung zu hindern oder wegen seiner Religionszugehörigkeit zu benachteiligen. Zugleich wird betont, dass die Politik sich in die Bestellung kirchlicher Seelsorge nicht einmischen darf. Aufgabe des Staates ist vielmehr, die Gesellschaft und die Religionsgemeinschaften mit Rücksicht auf die historischen Traditionen des Landes und die Mehrheitsverhältnisse der verschiedenen Religionsgemeinschaften in ausgeglichener Weise zu schützen.

 

WAS glauben wir?

Der Mensch ist Person, und als Person ist er einmalig und frei, und niemand darf über ihn verfügen. Darin gründet wesentlich die Würde des Menschen.

Jede Person wird angesprochen – von der Umwelt, von der Gesellschaft, von der Schöpfung, von Gott. Als Person ist er frei, darauf zu antworten. Somit gestaltet er sich selbst.

In diesem seinen Antworten steht er ständig vor dem moralischen Anspruch des Guten, dem er nur in Freiheit entsprechen kann.

P. Emmanuel Bauer

   

WIE glauben wir?

Als ich Pfarrer in Hainfeld war, kamen Asylanten zu uns, muslimische Familien. Die Gemeinde hat sie aufgenommen und einzelne Mitglieder der Pfarre haben sie begleitet. Mitunter kamen wir mit den Muslimen auch auf religiöser Ebene ins Gespräch. Einige von ihnen interessierten sich für unseren Glauben, und es haben sich im Laufe von etwa 10 Jahren drei Familien taufen lassen. Ich habe aber schon vorher bei ihnen beobachtet, wie ehrfurchtsvoll sie von Anfang an über Gott sprachen. Auf ihre Fragen haben wir nicht nur mit Worten geantwortet, sondern auch durch unsere Fürsorge.

P. Paulus Müllner


  

XV. AD GENTES

 

Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche (7. Dezember 1965).

Es war in der Kirche nicht nur gängige Meinung, dass Ungetaufte der ewigen Verdammnis verfallen würden, sondern auch beinahe einzige Motivation zur Missionstätigkeit. Nach dem Vorbild der Kolonialmächte fuhr man in die entsprechenden Länder, und führte dort – teils schonungslos – gemeinsam mit der Botschaft des Evangeliums auch die europäischen Denk- und Lebensweisen ein. Die dabei auftretenden Rivalitäten zwischen den christlichen Konfessionen machten das Christentum nicht glaubwürdiger, sondern entlarvten es oft als Anhäufung politisch beeinflusster Machtgruppen. Mit dem Dekret Ad Gentes über die Missionstätigkeit der Kirche wird den nichtchristlichen Religionen ein großes Verständnis wird entgegengebracht. Die Achtung vor den Kulturwerten und Eigengütern der anderen Völker wird groß geschrieben. Die Kirche soll sich in ihnen verwurzeln, denn sie können die Kirche bereichern und ihr helfen, in der Heiligen Schrift neue Perspektiven zu erkennen. Die anderen Konfessionen will man als geschwisterlich betrachten und gemeinsam mit ihnen für Christus Zeugnis ablegen. Die Kongregation „De propaganda fide“, die im 17. Jh. zur Abwehr des Protestantismus gegründet wurde, soll reformiert werden.

 

WAS glauben wir?

Zum Verkündigen müssen wir zuerst selber Hören – was zutiefst benediktinisch ist: "Höre mein Sohn..." sind die ersten Worte der Regel unseres heiligen Benedikt.

Es geht anschließend um den Inhalt dessen, was ich sagen will: nicht nur, dass man es versteht, sondern auch, dass man es als glaubwürdig annimmt. Erst dann ist nämlich meine Botschaft glaubwürdig, wenn ich sie selber ganz annehme und auch authentisch lebe.

Bei meiner dreijährigen Tätigkeit als Krankenhausseelsorger habe ich erlebt: In vielen Fällen konnte ich mehr das verkündigen, was ich vorgelebt habe, als das, was ich direkt angesprochen habe.

Ob und wie es der Zuhörer dann annimmt und umsetzt, ist weder meine Verantwortung noch meine Aufgabe. Das liegt in der Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen.

Fr. Benjamin Schweighofer

   

WIE glauben wir?

Für mich war es immer wichtig, nicht etwas anderes zu predigen, als das, was ich auch lebe. Aber nicht nur der Prediger bezeugt seinen Glauben, und nicht nur in der Kirche hat Verkündigung Platz, auch draußen.

Von einer gewissen Altersstufe unter den Jugendlichen, meist zwischen 18- und 30Jährigen, war in meiner Pfarrseelsorgetätigkeit zwar ein Glaubensgespräch im Pfarrhof kaum zu erwarten, aber ich konnte sie alle bei ihnen zu Hause ansprechen.

Man soll nicht feige sein, sondern ruhig auch im Freundeskreis Glaubensthemen anschneiden. Überall soll mein Glaube sichtbar sein, am Heurigentisch, im Betrieb, auch dort, wo ich denke, man könnte mich ablehnen. Sicher wird der Gesprächspartner früher oder später wieder darauf zurück kommen und ein weiteres Gespräch suchen.

P. Gabriel Pruckner


  

XIV. PRESBYTERORUM ORDINIS

 

Dekret über Dienst und Leben der Priester (7. Dezember 1965).

Mit dem Konzil hat sich auch das Bild des Priesters drastisch geändert. Bis dahin wurde der Priester als Mann einer anderen Welt gesehen, der vorwiegend am Altar steht und Sakramente spendet. Zugleich bildeten die Priester dem Volk gegenüber einen privilegierten „Stand“, während sie dem Bischof gegenüber kritiklosen Gehorsam leisteten, sodass sie ihrer eigenen Verantwortlichkeit entbehrten. Mit Prebyterorum ordinis wird der Dienstcharakter des Priesters als Gottesdiener im priesterlichen Dienst an den Menschen neu betont. Er soll kein abgehobener Mensch sein, nicht getrennt von den Laien, sondern auf sie hörend und mit ihnen arbeitend. Das seelsorgliche Führen der Gemeinde ist kein Herrschen. Für den Dienst in der Welt hat der Priester eine eigene Spiritualität zu entfalten. Er soll vom Bischof gehört werden und als sein Mitarbeiter gelten. Auch soll der Priester einen eigenen Rat bilden. Die verheirateten Priester der orientalischen Kirchen werden lobend erwähnt.

 

WAS glauben wir?

Vor jeder Priesterweihe fragt der Bischof, ob auch das Volk befragt wurde. Ich sehe daher die Aufgabe des Priesters als einen Dienst am Volk Gottes. In der Spendung der Sakramente und in der Hinwendung zu den Schwächsten: konkret im wöchentlichen Gang in den Kindergarten, im Religionsunterricht und im regelmäßigen Besuch der Kranken, aber auch im Kontakt mit „Fernstehenden“ und noch nicht an Christus Glaubenden.

Für mich ist das nur in überschaubaren Pfarren möglich. Daher bin ich der Pfarrer-Initiative beigetreten, die sich gegen das Zusperren der kleinen Einheiten und die Bildung von Mega-Pfarren von 7.000 - 15.000 Katholiken einsetzt, wo Priester von Seelsorgern zu Verwaltungsbeamten mutieren müssen und der persönliche Kontakt immer mehr verlorengeht. 

P. Udo Fischer

   

WIE glauben wir?

Mit 77 Jahren sehe ich den Sinn des priesterlichen Wirkens darin, die Menschen zu werben, sie zu Christus hinzuführen und ihnen das Glaubensgut zu eröffnen. Das ging nur soweit der Glaube auch in mir selbst inne geworden ist. Und das geschieht im Alter immer konzentrierter. Anfangs schöpfte ich aus dem inneren Hören des Wortes Gottes, aus dem Katechismus, dem Studium usw. Inzwischen sage ich "nur": Ich glaube an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und an seinen Sohn Jesus von Nazaret. Davon erhält alles Leben Lebendigkeit und erhellt sich das Glaubensleben.  

P. Hartmann Scheuhammer


  

XIII. GAUDIUM ET SPES

 

Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute (7. Dezember 1965).

Die Unterschiede zwischen Kirche und Welt beliefen sich immer mehr auf dem Gebiet der Wissenschaften, wobei die Kirche sich vielfach darin bedroht sah, ihre moralische Autorität zu verlieren. Mit der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes macht die Kirche einen wesentlichen Schritt nach vorn. Sie anerkennt grundsätzlich den Fortschritt der Menschheit und fühlt sich ihm zu Dank verpflichtet. Bei allen sichtbaren Gefahren und Irrwege schätzt sie die menschlichen Errungenschaften, gibt aber auch Richtlinien für eine bessere Aufnahme der Heilsbotschaft, die ja an alle Menschen gerichtet ist. Der Dienst am Menschen steht im Mittelpunkt. Den immer stärker aufkommenden Atheismus soll die Kirche nicht fürchten, sondern als Hilfe zu mehr Selbstkritik ansehen. Den Ehepartnern wird mehr Selbstverantwortung eingeräumt. Die Sozialisation der Menschheit möge zu stärkerem Eintreten für die Schwachen führen, und das Zusammenwachsen der Völker zu einer internationalen Gemeinschaft, die den modernen Krieg als verbrecherisches Unternehmen entlarvt.

 

WAS glauben wir?

 Im JAHR DES GLAUBENS ist mein fünfzigstes Priesterjahr.

Das erfüllt mich mit freudvollem Dank, den ich im Folgenden ausdrücken möchte.

 

DANK SEI DIR HERR JESUS CHRISTUS!

Du rufst uns, Zeugen deiner Botschaft zu sein.

Du bist bei uns, dass wir die "Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes" verkünden.

Lass die Menschen finden, was du allein schenken kannst:

LICHT, FREUDE und HOFFNUNG (lumen, gaudium et spes).

P. Benno Maier

   

WIE glauben wir?

Über den Glauben habe ich mich unter anderem auch bemüht, etwas zu lesen, etwas, das mich persönlich anspricht. Aber das reicht bei weitem nicht.

Ich muss auch durch das Hören den Glauben im anderen erkennen, dazu kann man sich innerhalb einer Glaubensgemeinschaft helfen. Aber auch das reicht nicht.

Vor allem muss ich selber das, was ich durch das Lesen und durch das Hören erfahren habe, in meiner Lebenssituation lebendig werden lassen.

Gelingt das, werde ich glaubwürdig, bayerisch ausgedrückt "Stachus", Umschlagplatz. Da steckt nicht nur Glaube und Würde drin, sondern beide werden auch ausgestrahlt: indem ich des Mitmenschen Würde erkenne, wird auch mein Glaube annehmbar.

P. Gregor Lechner


  

XII. APOSTOLICAM ACTUOSITATEM

 

Dekret über das Apostolat der Laien (18. November 1965).

Dem Laien war in der klerikalen Sicht der Kirche eine mehr passive Rolle des Empfangens und des Gehorsams zugefallen. Er war Objekt, nicht Subjekt der Kirche. Der Klerus allein galt oft als die Kirche. In kirchlichen Belangen schien der Laienstand oft völlig unmündig. Durch Apostolicam actuositatem wird der Laie als vollverantwortliches Glied im Volk Gottes anerkannt. Ein weit größerer Bereich der Eigenverantwortung wird ihm in der modernen Welt bestimmt. Er hat durch die Taufe teil am allgemeinen Priestertum und an den Gaben des Heiligen Geistes, der wirkt, wo er will. Deshalb ist ihm von der Hierarchie mit großem Vertrauen zu begegnen, und sein Rat muss geschätzt und gesucht werden. Zum Apostolat des Zeugnisses ist jeder in seinem Lebenskreis verpflichtet, darüber hinaus zur Gestaltung der Strukturen der Welt aus christlichem Geist, endlich auch zum direkten Apostolat des Wortes vor allem im Kreis der Familie.

 

WAS glauben wir?

Die Taufe ist ein ganz und gar faszinierendes Sakrament.

Durch die Taufe wird ein Mensch in den Leib Christi "inkorporiert". Demnach ist er Teil des Leibes Christi.

Dadurch gewinnt der Getaufte auch Anteil an der Sohnschaft und Anteil am Hohenpriestertum Jesu. Jede(r) Getaufte hat Anteil am königlichen Priestertum.

In dieser Auserwählung durch die Taufe darf der Getaufte am Heilshandeln der Sakramente teilnehmen. Nicht nur das Spenden der Sakramente ist Teilnahme, sondern auch das Empfangen.

P. Pirmin Mayer

   

WIE glauben wir?

In unserer Pfarre Kilb werden Passionsspiele aufgeführt. Sie wurden zum ersten Mal im Jahr 1986 organisiert und finden nicht jedes Jahr, aber immer wieder statt, und zwar in der Fastenzeit in der Pfarrkirche.

Etwa 70 Laien im Alter zwischen 8 und 70 beteiligen sich an dieser eineinhalb stündigen Darstellung – und freilich arbeiten hinter den Kulissen auch noch eine zusätzliche Menge Leute.

Sie alle versuchen durch die Darstellung, ihren Glauben zu vermitteln, und man erkennt auch ihre Begeisterung. Durch die Passionsspiele wirken sie durchaus priesterlich, denn sie knüpfen eine Verbindung zwischen den Zuschauern und Gott. Tatsächlich sind die Zuschauer immer wieder von der Glaubensbotschaft betroffen.

P. Wolfgang Sekirnjak


  

XI. DEI VERBUM

 

Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung (18. November 1965).

In der Theologie fehlte der biblische Ansatz. und unter den Gläubigen spielte die Bibel eine untergeordnete Rolle. Die dogmatische Konstitution Dei Verbum prägt die Sinnesrichtung, dass das Lehramt nicht über der Bibel steht, es hat ihr zu dienen. Zur Erforschung der Bibel soll die Wissenschaft hinzugezogen werden. Das Schriftstudium ist wesentlicher Teil des Theologiestudiums, und Predigt und Verkündigung müssen biblisch geprägt sein.

 

WAS glauben wir?

„Wort des lebendigen Gottes.“ Ein geläufiges Schlusswort, das Gottesdienstteilnehmer am Ende der Schriftlesung hören.

 

Ein Wort, das gesprochen wird, verhallt zwar akustisch sofort wieder – kann aber bei den Hörern seine „Spuren“ hinterlassen.

 

So bleibt ein gesagtes Wort lebendig! Das „Wort des lebendigen Gottes“ spricht sich in unser Leben hinein, will in uns Wohnung nehmen.

 

Wenn wir bereit sind es aufzunehmen und weiterzugeben, wird Gott in unserer Welt sichtbar und erfahrbar!

 

Es verhallt dann nicht augenblicklich, sondern hinterlässt seine „Spuren“ im Menschen und in der Welt. Möge es auch in uns Spuren hinterlassen.

P. Christoph Mayrhofer

   

WIE glauben wir?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Wort Gottes im Leben des Alltags wirken zu lassen.

 

Ich kann zum Beispiel Bibelverse auf kleine Zettel schreiben und in einen kleinen Korb hineinlegen, und jeden Tag einen neuen Zettel ziehen.

 

Dabei kann ich den Heiligen Geist anrufen, dass ich den richtigen Bibelvers ziehe, der mich für den heutigen Tag begleiten soll.

 

Das funktioniert auch in der Gemeinschaft (Ehe, Familie, usw.).

 P. Marian Zuchna


  

X. NOSTRA AETATE

 

Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (28. Oktober 1965).

Den Weltreligionen stand die Mission zumeist rein negativ gegenüber. Man sah sie nur unter dem Gesichtswinkel der Bekehrung. Dies galt in verstärktem Ausmaß von den Moslems und den Juden. Der offene antisemitische Zug und die Judenverfolgung des Nationalsozialismus klang noch in aller Ohren nach. Mit der Erklärung Nostra aetate wird das Wirken Gottes in allen Religionen anerkannt. Allen muss darum Verständnis und Hochschätzung entgegengebracht werden. Mit den Moslems verbindet die Kirche, dass sie Jesus und die Propheten ehren, mit den Juden der gemeinsame Besitz der Heiligen Schrift, des Alten Testamentes. Es wird deutlich ausgesprochen dass die Juden Gottes auserwähltes Volk sind und bleiben. Eine Gesamtschuld aller Juden an Christi Tod wird abgelehnt. Sie dürfen nicht ein verfluchtes Volk genannt werden. Aller Antisemitismus in Predigt und Schule ist in der Wurzel auszurotten, gemeinsame Bibelstudien werden eigens empfohlen.

 

WAS glauben wir?

Papst Johannes Paul II. hat bei seinem Besuch in der Synagoge von Rom im Jahr 1986 folgendes gesagt: "Die jüdische Religion ist für uns nicht etwas Äußerliches, sondern gehört in gewisser Weise zum Inneren unserer Religion. Zu ihr haben wir somit Beziehungen wie zu keiner anderen Religion. Ihr seid unsere bevorzugten Brüder, und so könnte man gewissermaßen sagen, unsere älteren Brüder."

 

Damit ist Wesentliches gesagt.

 

Als Christen glauben wir an den Gott Jesu. Dieser Gott ist nicht abstrakt, keine philosophische Idee, kein unbeschriebenes Blatt. Er ist der Gott Israels, der Gott, der dieses Volk erwählt hat und der sich in der Geschichte dieses Volkes zu erkennen gab. All das lesen wir im alten Testament. Es ist somit auch Teil unserer eigenen Geschichte.

 

Für Juden und Christen besteht diese Einzigartigkeit darin, dass dieser Gott ein zutiefst personaler, ein leidenschaftlicher, ja liebender Gott ist. Die Göttlichkeit des Gottes Israels und des Gottes Jesu besteht gerade nicht darin, sich fein aus allem Irdischen herauszuhalten, unbewegt über den Dingen zu stehen, sondern sich aus Liebe auf die menschliche Geschichte einzulassen, sich berühren zu lassen, ja sogar: zu leiden! In diesem Sinn kann man meiner Meinung nach nur im Zusammenhang mit dem Judentum sagen: Wir glauben an denselben Gott!

 

Diese fundamentale Gemeinsamkeit im Gottesglauben zeigt sich auch darin, dass das Judentum die einzige Religion ist, mit der wir eine gemeinsame Heilige Schrift haben. Unser Altes Testament ist gleichzeitig die Heilige Schrift des jüdischen Volkes. Die Glaubenszeugnisse Israels, die in diesen Schriften gesammelt sind, nähren auch unseren christlichen Glauben.

 

So glauben wir mit Juden zusammen an denselben Gott, auch wenn wir ihn im Unterschied zu Juden als Vater, Sohn und Heiligen Geist anbeten.

Fr. Andreas Remler

   

WIE glauben wir?

Für mich ist es sehr erschütternd zu merken und zu registrieren, dass es auch in der Moderne immer noch Facetten und Formen von Antisemitismus gibt. Oft bemerke ich im Gespräch mit jungen Menschen, auf welch unüberlegtem, angenommenem und unreflektiertem Fundament diese Wesenshaltungen stehen.

 

Antisemitismus präsentiert sich meines Erachtens heute in einem neuen Gewand.   Beispielsweise stimmten in einer Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)", die von Prof. Wilhelm Heitmeyer (Universität Bielefeld) geleitet wurde, 21% der Befragten im Jahr 2005 der klassischen antisemitischen Aussage: „Juden haben zu viel Einfluss" eher oder voll und ganz zu, 13% waren weiters der Ansicht, „durch ihr Verhalten sind die Juden an ihren Verfolgungen mitschuldig" und ein Jahr zuvor stimmten 62,2% der Aussage zu: „Ich bin es leid, immer wieder von den deutschen Verbrechen an den Juden zu hören." Das ist jedoch kein Einzelfall in Deutschland. Auch in anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Österreich, Frankreich oder Belgien, sind antisemitische Vorurteile weit verbreitet.

 

Ich denke, dass hier unsere Haltung als Christen in unserer pluralen Welt und Gesellschaft eine andere und verinnerlichte sein sollte. Denn das Christentum wurzelt in der jüdischen Religion. Und wenn wir im Jahr des Glaubens, gemäß dem Motto: „Auf Christus schauen“  (Papstbesuch in Österreich im Jahr 2007), gemeinsam unterwegs sind, so heißt dies auch auf unsere Wurzeln schauen. Petrus war Jude. Die Apostel waren Juden. Maria ist ebenfalls Jüdin, und Jesus unser Bruder und Herr, ist es durch sie. Ich denke, dass wir den Wurzelstamm der uns trägt nicht vergessen dürfen, wie dies auch im Römerbrief 11, 18 zum Ausdruck kommt: So erhebe dich nicht über die anderen Zweige. Wenn du es aber tust, sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ Denn das jüdische Volk ist jenes Volk, zu dem Gott als erstes gesprochen hat, und dem seine erste Liebe gilt (vgl. Begrüßungsworte von Kardinal Christoph Schönborn am Platz „Am Hof“). 

 P. Altmann Wand

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Das II. Vatikanische Konzil (1963-1965) und das Jahr des Glaubens (2012-2013)

Hier gibt es ab 1. August 2012 eine sechzehn monatige Serie, die einen zusammenfassenden Einblick in die sechzehn Doku- menten des II. Vatikanischen Konzils bietet.

 

Dazu verfassen die Göttweiger Mönche je einen persönlichen Impuls darüber, WAS wir glauben und WIE wir glauben.

Möge sich der monatliche Klick zu dieser Seite lohnen!

 

Das wünscht allen unseren Besuchern der Konvent des Stiftes Göttweig.

 

 

 

 

Das Rätsel des Kreuzes

Vortrag von

Abt Columban Luser O.S.B.

in der Franziskanerkirche

in St. Pölten

am 18.01.2013

zum 4. Artikel im Credo:

"gelitten unter Pontius Pilatus..."

download hier

 

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